Emirat Katar steigt bei Hochtief ein
Das Emirat Katar ist beim größten Baukonzerns Deutschland, Hochtief, als Investor eingestiegen. Damit steigt nach Experteneinschätzung die Chance, eine Übernahme durch den spanischen Konkurrenzkonzern ACS verhindern zu können. Für Marco Cabras, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, gleicht der Einstieg Katars einem weißen Ritter. Er bewertet die Chancen für eine Übernahme durch ACS als gering, schließt sie aber keinesfalls aus. Ebenso sehen auch andere Analysten die Situation. Zwar sei vorerst eine Übernahme verhindert worden, aber CAS werde auch weiter um den deutschen Baukonzern zu kämpfen wissen.
Beteiligung
Katar beteiligt sich mit insgesamt 9,1 Prozent an Hochtief. Bereits in den vergangenen Jahren war der staatliche Fonds Qatar Holding bei zahlreichen Beteiligungsgeschäften hervorgetreten. Das Unternehmen aus dem Emirat konnte sich weltweit etablieren und verfügt durch Öl- und Gasgeschäfte über finanzielle Ressourcen im Milliardenbereich. Mittlerweile hält die Quatar Holding bei zahlreichen Banken wie der Credit Suisse und der Barclays Anteile und ist ebenso mit großen Aktienpaketen an Volkswagen und auch Porsche eingestiegen.
Staatsfond
Über die Beteiligung an Hochtief ist noch nicht viel an die Öffentlichkeit gedrungen. Bekannt ist derzeit nur, dass sich das Unternehmen aus Katar mit schätzungsweise 400 Millionen Euro an dem Baukonzern aus Essen beteiligen werde. Branchenexperten sehen den Betrag allerdings nicht als eine Garantie für die Qatar Holding bezüglich möglicher Mitsprache bei Hochtief, da dafür das erworbene Aktienpaket mit 9,1 Prozent zu klein sei. Wenn man ACS schlagkräftig entgegen treten möchte und deutliche Signale zu setzen bereit ist, dann wäre dies wahrscheinlich erst bei einer Beteiligung des Staatsfonds mit 25 Prozent zuzüglich einer Aktie möglich, da man dann über eine Sperrminorität verfügen würde.
Expertenwissen
Für Marco Cabras ist die Größe des erworbenen Aktienpaketes allerdings nicht so wichtig, wie der nun entstandene Signalwert. Allein schon der Einstieg Katars bei Hochtief zeigt deutlich, dass das Emirat ganz auf der Seite von Hochtief steht und bei der Verhinderung einer Übernahme durch ACS behilflich sein werde. Allerdings teilen nicht alle Experten diese Einschätzung. Ein Analyst, der seinen Namen nicht öffentlich machen wollte, teilte mit, dass man mit dem Einstieg von Katar die Übernahme durch ACS nicht verhindere, sondern allenfalls erschweren werde. Ein anderer Experte verwies in diesem Zusammenhang, dass ACS unter keinem Zeitdruck stehe und somit die Übernahme auch langfristig angehen könne.